Mit praxisnaher forstlicher Forschung dem Klimawandel begegnen

brown grass field with white wooden fence

Göttingen. Klimawandel, Globalisierung und gestiegene Anforderungen der Gesellschaft an den Wald sind große Herausforderungen für den Waldbesitz und die Forstwissenschaft. Forstministerin Barbara Otte-Kinast informierte sich heute bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) über die sich daraus ergebenden Fragestellungen der forstlichen Forschung. Gleichzeitig nahm die Ministerin den Besuch zum Anlass, Dr. Ulrike Talkner zur Übernahme der Leitung der Abteilung Umweltkontrolle zu gratulieren, die die Aufgabe zum 1. Juni von Prof. Dr. Johannes Eichhorn übernommen hatte. Ministerin Otte-Kinast: „Mit Frau Dr. Talkner übernimmt eine hochkompetente Wissenschaftlerin die Abteilungsleitung. Sie steht damit als erste Frau an der Spitze einer Abteilung bei der NW-FVA.“

Wichtige Erkenntnisse zur Waldforschung liefern Laborauswertungen. Dazu stellten der Leiter der NW-FVA, Dr. Thomas Böckmann und sein Team die Laborbereiche vor. Im Bereich Waldschutz informierte sich die Ministerin über die Bestimmung von Pathogenen, die überwiegend über den globalen Handel aus aller Welt eingeschleppt werden. Im Rahmen der Beratung werden eingesandte Proben aus der Praxis bestimmt, DNA-Analysen durchgeführt und Verfahren des biologischen Waldschutzes erprobt.

Gewachsen ist auch die Bedeutung von Naturschutzfragen im Wald. Auch die stark gestiegene Fläche von Wäldern mit natürlicher Waldentwicklung (NWE) beschäftigt die NW-FVA zunehmend. Die NW-FVA übernimmt für die NWE-Flächen ihrer vier Trägerländer Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein das Monitoring und die Naturwaldforschung. Jüngst sind im Rahmen der Umsetzung des Niedersächsischen Weges auch weitere Aufgaben hinzugekommen. So wird im Solling ein zusätzliches Wildnisgebiet entwickelt. Zudem wird der Anteil der Laubbaumarten unter Beachtung der Erkenntnisse der Klimafolgenforschung ebenso wie der Anteil alter und starker Bäume langfristig weiter erhöht. Insbesondere zur wissenschaftlichen Erforschung der Starkholz- und Totholzentwicklung sowie zum Monitoring zur klimaangepassten Baumartenwahl sind hier weitere Projekte der NW-FVA vorgesehen.

„Die Erkenntnisse unser Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der NW-FVA sind gerade vor dem Hintergrund der Extremwettereignisse und Schäden im Wald in den vergangenen drei Jahren von unschätzbarem Wert“, hob Otte-Kinast hervor. „Waldbesitzer und Förster sind auf die Waldforschung in Göttingen angewiesen – und sie wissen, was sie an der NW-FVA haben.“ Die gesellschaftlichen Kernthemen Klimafolgen, Biodiversität und Klimaschutz nehmen an Bedeutung zu. Da ist es naheliegend, dass die NW-FVA die anwendungsorientierte Forschung in diesen Bereichen verstärkt. Die Erforschung dieser Themenfelder, die praktische Beratung aller Waldbesitzarten zu Fragen des Waldschutzes, zur Anbaueignung von Baumarten sowie zur Behandlung von Kahlflächen, nimmt stetig zu.

Hintergrund:

Die NW-FVA ist eine gemeinsame Forschungseinrichtung der Länder Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Sie betreibt auf fast einem Viertel der deutschen Waldfläche praxisnahe forstliche Forschung und berät Waldbesitzer, Forstbetriebe, Verwaltungen und die Politik. Rund 135 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an den beiden Standorten Göttingen und Hann. Münden. Hinzu kommen in wechselnder Anzahl Beschäftigte in befristeten Projekten. Zu den Kernkompetenzen der NW-FVA zählen das langfristige Monitoring, die angewandte Forschung sowie der Wissenstransfer. Ihre Aufgaben orientieren sich an den Bedürfnissen der forstlichen Praxis. Der Klimawandel, die Globalisierung der Märkte und die gestiegenen Anforderungen der Gesellschaft an den Wald gehören zu den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Die sich daraus ergebenden komplexen Fragestellungen werden in interdisziplinärer Zusammenarbeit innerhalb der NW-FVA und mit anderen Forschungseinrichtungen in Deutschland und auch europaweit bearbeitet.