Entwicklung der Neozoen in Niedersachsen und der Jägerschaft Duderstadt

1. März 2021

1. Ist im Bereich der Jägerschaft Duderstadt auch ein solcher Anstieg zu verzeichnen?

In unserem Bereich der Jägerschaft Duderstadt haben wir bislang noch keinen merklichen anstieg der Streckenzahlen für die Neozoen, mit Ausnahme des Waschbären. Im Streckenbericht 2019/2020 kamen insgesamt nur zwei der Neozoen-Arten im Streckenbericht vor, der Waschbär mit 506 gemeldeten Abschüssen und die Nilgans mit 3. Nutria, Mink, Marderhund und Kanadagans kamen nicht zur Strecke.

 

2. Welche Auswirkungen hat es für die Natur, dass die Zahl der Neozoen zunimmt?

Weltweit gelten invasive Arten als zweitgrößte Gefährdung für die biologische Vielfalt, übertroffen nur durch die Gefahr der Zerstörung der natürlichen Lebensräume.
Eine unmittelbare Folge der Ausbreitung invasiver Arten besteht darin, dass die neuen Arten in Konkurrenz mit einheimischen Arten treten. Sie können andere Arten verdrängen, weil sie ebenfalls Lebensraum und Ressourcen beanspruchen.
Invasive Arten können auch als Fressfeind einheimische Arten gefährden. Zum Beispiel bedroht die invasive Bisamratte die Bestände der einheimischen Bachmuschel. Der aus Nordamerika stammende Waschbär gefährdet als Raubtier nicht nur viele Brutvögel und Amphibien, sondern frisst auch die vom Aussterben bedrohte Europäische Sumpfschildkröte und gräbt deren Eier aus.
Invasive Arten können auch unter Umständen den Genpool verändern. Sie können sich mit einheimischen Arten kreuzen. Das führt zu einem Verlust einzelner Gene und somit der genetischen Vielfalt. Es kommt zu einer schleichenden Veränderung der Art, bei der schließlich die einheimische Art mehr oder weniger durch sogenannte hybride Formen ersetzt wird. Ein Beispiel ist die Kreuzung der europäischen Weißkopfruderente mit der nordamerikanischen Schwarzkopfruderente.

 

3. Welche Neozoen sind es, die im Bereich Duderstadt besonders häufig vorkommen?

Dies kann man, wie aus der ersten Frage bereits hervorgeht, schnell und einfach beantworten: der Waschbär. Er frisst so gut wie alles, ist sehr anpassungsfähig und obendrein ein klassischer Kulturfolger, das heißt, er folgt dem Menschen in dessen Lebens- und Ballungsräume, ernährt sich mitunter von dessen Abfällen und wohnt (meist zum Ärgernis für den Menschen) oftmals sogar mit ihm unter einem Dach.

 

4. Welche Möglichkeiten zur Bekämpfung gibt es?

Zum einen natürlich die „klassische“ Jagd durch Abschüsse, daneben aber auch die Fallenjagd. Besonders beim Waschbären werden meist mehr Tiere mit der Falle gefangen, als dass sie in Wald und Feld mit Büchse oder Flinte erlegt werden. Bei den anderen Neozoen erbringen die Abschüsse mit Kugel oder Schrot den größten Teil der Gesamtstrecke.
Da alle Neozoen-Arten sehr anpassungsfähig sind, bringen Methoden der Vergrämung nur einen sehr kurzfristigen Effekt und verlagern das Problem meist nur an andere Stelle. Eine effektive und konsequente Bejagung durch Abschüsse ist und bleibt hier also insgesamt gesehen das beste Mittel.

 

5. Wie ist die Entwicklung der Jagdstrecke bei den heimischen Tierarten?

In Niedersachsen wurde die höchste Schwarzwildstrecke seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen festgestellt: Mit 70.481 Wildschweinen im Jagdjahr 2019/2020 liegt die Jagdstrecke 26 Prozent über der des Vorjahres – ein neuer Höchstwert, gleiches gilt für die Erlegung von 41.369 Nutrias bzw. 28 Prozent über dem Vorjahr. Das teilte das Niedersächsische Agrarministerium mit. Bei der Absenkung der Schwarzwildpopulation spielt die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) eine große Rolle.
Die Intensivierung der Bejagung wird in Niedersachsen auf zwei Wegen unterstützt: zum einen erhalten Hundeführer, die Ihren Jagdhund bei revierübergreifenden Jagden einsetzen, eine finanzielle Anerkennung von 25 Euro je Hund und Jagdtag. Zum anderen wird Revierinhaberinnen und Inhabern eine Prämie in Höhe von 50 Euro für jedes „Mehr“-Schwein gewährt, das über der durchschnittlichen Strecke dreier Vorjahre hinaus erlegt wird.
Eine weitere Höchststrecke gab es bei den Nutrias, einer aus Südamerika stammenden Nagetierart. Hier zeigt die Einstellung dreier Berufsjäger als Multiplikatoren und Ansprechpartner für die Jägerschaft sowie die Beschaffung von 650 Nutriafallen, die mit elektronischen Fangmeldern ausgestattet sind, eine große positive Wirkung.
Insbesondere an Deichen richtet das bis zu zehn Kilogramm schwere, halb im Wasser lebende Tier durch die Wühltätigkeit große Schäden an Deichen an. Bei hohen Tierbeständen leiden zudem die Schilfbereiche der Gewässer, von deren jungen Trieben sich die Tiere gerne ernähren, sodass der Lebensraum von anderen, auch streng geschützten Arten, leidet. Gemeinsam investieren Land und Jägerinnen und Jäger daher Zeit und Geld, um die Schäden durch die Art einzudämmen.
Unterschiedliche Entwicklungen gibt es bei den übrigen Schalenwildarten: Während die Jagdstrecken bei Dam- und Rehwild eine leichte Zunahme verzeichnet, sanken die Jagdstrecken von Rotwild um neun Prozent und Muffelwild erneut um zehn Prozent. Der negative Trend beim Muffelwild setzt sich fort. Hier spielt der Wolf eine große Rolle, für den die Wildschafe auf Grund des schwach ausgeprägten Fluchtverhaltens eine leichte Beute sind.

 

6. Gibt es eine Entwicklung, die euch als Jäger überrascht hat?

Eine Überraschung an sich gab es nicht. Die Entwicklung der Wolfspopulation in Niedersachsen und die Ausbreitung der ASP aus den östlichen Bundesländern her sind Dinge, die schon länger abzusehen waren. Ein aufhalten dieser Entwicklungen ist de facto nicht mehr möglich. Doch wir können hier gemeinsam viel dafür tun, dass diese Entwicklungen nicht unkontrollierbar werden. Dort, wo eine Entwicklung in die falsche Richtung läuft, müssen wir gemeinsam in Kooperation mit den einzelnen betroffenen Jägerschaften, dem Landesjagdverband und mit der Politik Mittel und Wege finden, damit ein Zusammenleben (hier mit dem Wolf) möglich ist. Dies beinhaltet aber eben auch ein konsequentes Eingreifen, dort, wo es nötig ist. Gemeint ist hier natürlich die zwangsweise Entnahme von sog. „Problemwölfen“ und die stetige Überwachung der Rudelgrößen und deren Ausbreitungen in der Fläche durch unsere Wolfsbeauftragten und die Wolfsmonitoring Stellen.
Bei der Bekämpfung der ASP müssen wir verstärkt auf das Thema Hygiene und Seuchenkontrolle setzen. Die Verbreitung der ASP durch den LKW-Verkehr spielt in meinen Augen die wichtigste Rolle und muss von der Politik mehr in den Fokus gerückt werden. Denn nur durch die Überwindung von mehreren hundert Kilometern an einem Tag durch die Tiertransporte wird es für die Seuche möglich sein, sich schnell und (fast) vollkommen unkontrolliert ausbreiten zu können.

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